Erdedankfest

Zu Erntedank 2012 wurden vier Rollfilme vergraben und ein Jahr später wieder geborgen und entwickelt. Gab es da was zu sehen? Wird nicht die „unsachgemäße Lagerung“ das latente Bild, oder gar den Film selbst zerstört haben? Oder erfahren die Aufnahmen im Ackerboden doch vielmehr einen gewissen Reifeprozess und Mutter Erde kann sich gestalterisch mit einbringen?

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an Erntedank 2012 in die Erde

Nach der Bergung der 4 Rollfilme von Typ Rollei DIGIBASE CN 200 war ich mir keineswegs sicher, ob ich da etwas Brauchbares in Händen halte. Die Filme waren zwar äußerlich noch durchaus intakt, als ich sie aber im Wechselsack abrollte fühlte ich nur noch ein matschiges Etwas; Film und Papier ließen sich da kaum noch unterscheiden.

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an Erntedank 2013 aus der Erde

Bei der anschließenden Entwicklung, genauer beim Zurückgießen des Entwicklers in die Flasche, bestätigte sich dann auch die These, dass man solche Filme besser nicht im heimischen Fotogeschäft oder Drogeriemarkt abgibt: Die Brühe war ungewöhnlich dunkel und voller Partikel. Wie sich beim Aufhängen der Filme dann zeigte, hatten sich insbesondere am Rand der im Außenbereich liegenden Filmrolle Teile der Emulsion gelöst.

Gerade diese, am Rand besonders angegrabbelten Bilder zeugen von einer „morbiden Ästhetik“ der nicht alltäglichen Art. Die eigenwilligen Buntheit, einer scheinbaren Kreuzung der Farben alter Agfacolor- und Kodachrome-Filme entliehen, angereichert mit den Farbwolken eines gepushten Fuju Superia 1600, unterstreichen diesen Charakter.

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Von der Erde „mit bearbeitetes“ Bild

Die gesamte Ausbeute solcher Bilder gibt es hier zu sehen.

Wie ich denn auf diese ungewöhnliche Idee gekommen sei, wollten viele von mir wissen: Ich liebe die unkalkulierbaren Risiken überlagerten Films. Mein Vorrat an 1944 abgelaufenem Agfa Isopan wird sich bald dem Ende nähern – ich suche nach Alternativen…

Der digitalen Fotografie grundsätzlich nicht abgeneigt, habe ich an Erntedank 2013 meine Experimente mit einer eingebuddelten Flashcard fortgesetzt 😉